Angst vor der Liebe?

Ja, es ist gewagt, aber ich sage: Meine Protagonistin, Elli, hat Angst vor der Liebe. Vor der großen Liebe, versteht sich. Weshalb sonst würde sie sich hinter gelegentlichen Dates, den Jungs von der Motorradclique, ja sogar hinter ihrem langjährigen besten Freund, Roli, verstecken? Sie ist hübsch, lebensfreudig, und das bisschen Kickboxen wird auch nicht gleich jeden Anwärter verjagen, oder?

Elli lacht mir ins Gesicht. „Ich soll Angst vor der Liebe haben? Wie kommst du darauf? Echt – auf solche Ideen kommen auch nur Autorinnen.“ Sie ist in der Tat kein Angsthase. Sie fährt Motorrad mit den Jungs. Sie boxt jeden k.o., wenn es sein muss. Sie hat ein scharfes und nicht sehr damenhaftes Mundwerk. Dennoch bestehe ich auf meine Meinung. Und hier versteht Elli keinen Spass.

„Spiel nicht die Therapeutin. Ich habe keine Angst vor der Liebe, klar? „

Was Elli sagen will: „Meine Gefühle gehen dich rein gar nichts an. Schon gar nicht, wenn es um Liebe geht.  Ich glaube nicht an dieses ganze romantische Gefasel, an Sonnenuntergänge, an Liebe für alle Ewigkeit. Das ist was für Teenager.“ 

Sie wird sich wundern, wie schnell eine erwachsene Frau, die mit beiden Füssen fest auf den Boden ihrer nicht ganz so rosigen Realität steht, zum Teenager mutieren kann. Aber noch lass ich sie im Glauben, dass sie Recht hat.

Denn im Moment gehört Liebe, was Elli betrifft, ins Kino. Oder in Romane, die sie nicht liest. Sie zieht Handfesteres vor, ein Krimi zum Beispiel. Nicht dieses Wischiwaschi-Zeugs, das tagaus, tagein bei ihrer Mama über den Bildschirm läuft. 

„Ich brauch diese Liebe nicht. Viel zu kitschig. Ich liebe die Kumpels von der Motorradclique – und Roli; meine liebste Nachbarin, Sveta. Ich liebe Mama, auch wenn sie es mir so schwer macht. Das genügt doch. Was soll ich mich denn mit einer Beziehung rumärgern? Diskussionen wegen des Abwaschs, herumliegender Socken, des Fernsehprogramms…“ Sie stellt mir einen Cappuccino hin und marschiert davon. Wenn es um Gefühle geht, dann ist sie schneller weg, als ich denken kann.

Ich sage euch was. Sie hört mich ja nicht, beschäftigt wie sie ist, hinter der Theke des Cafés. Die Liebe ist für Elli gefühlt ein paar Schuhnummern zu groß.  Aber zutiefst in ihrem Herzen wünscht auch sie sich Liebe. Dieses Gefühl zu jemandem zu gehören. Den Wunsch, für jemanden da zu sein, egal was passiert. Sie ist nicht so abgehärtet, wie sie sich gibt. Das ist nur ein Schutz. 

Denn Elli hatte es nicht leicht im Leben und die Wahrheit ist: Sie glaubt nicht einmal, dass sie Liebe verdient hat und das ist eine sehr alte Geschichte. Es geschah, als sie fünf Jahre alt war…

Dazu bald mehr – in Elli – wo das Meer beginnt.