Waren das schöne Zeiten, als ich noch Leseratte war. Bücher verschlingen. Geschichten, die von anderen ausgedacht worden waren. Geschichten, in welche ich mit Herz und Seele eintauchte und erst nach der letzten Seite wieder auftauchte. Einfach nur konsumieren, genießen, wie ein Eis an einem Sommertag.
Wie bin ich nur auf den Gedanken gekommen, selbst schreiben zu wollen?
Es begann gedankenlos, harmlos. Wie ein leichter Sommerregen. Ein Gedicht im Schulheft. Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Hunden. Mittwochnachmittage mit Tee, Papier und Feder, wenn der Rest der Familie ausgeflogen war.
Und wisst ihr was? Das Warum war mir sowas von schnurz. Da war diese innere Quelle, die nach außen drängte. Bilder im Kopf. Sätze. Das genügte. Noch ahnte ich nicht, welchen Stein ich da ins Rollen gebracht hatte.
Jetzt, über 45 Jahre später, merke ich: Die Leseratte ist zur Schreibratte mutiert. Klammheimlich. Schleichend. Und wie ein Damoklesschwert hängt nun diese Frage über meinem rauchenden Kopf. Warum tust du dir das an?
In jedem Ratgeber, jeder Romanwerkstatt heißt es: «Finde dein Warum!» Wenn du deine Schreibmarathons durchhalten willst. Authentisch schreiben willst. Wenn du willst, dass deine Leserinnen und Leser deine Figuren am liebsten zum Kaffee einladen würden. Oder mit ihnen am Rhein spazieren gehen wollen. Wenn du mit Herzblut schreiben willst. Deine Leserinnen und Leser berühren. Ihr Leserattenherz gewinnen – und bei dir behalten – willst.
Ohne Warum geht gar nichts.
Es stimmt, irgendwie. Denn ohne diesen Drive in mir hätte ich Katharinas Geschichte vermutlich nicht zu Ende gebracht. Und mich gleich an Ellis Geschichte gemacht. Ohne Atempause. Und warum?
Nicht, weil ich muss. Oder euch beweisen will, dass ich einen Roman oder gar zwei schreiben kann. Schon gar nicht, um damit Geld zu verdienen. Denn Hand aufs Herz: Die Bestseller-Autorin in mir ist immer noch daran, ihre Flügel zu testen. Und ehrlich: Da ist noch Luft nach oben.
Aber wisst ihr was? Auch das ist mir neuerdings nicht so wichtig. Denn langsam kristallisiert sich mein Warum heraus: Ich schreibe, um meine ganz eigene, innere Freiheit zu entdecken. Ich lade euch ein, mich dabei zu begleiten. Vielleicht habt auch ihr Lust, eure eigenen Flügel zu entfalten?
