Ich habe eine Botschaft!

Juhuu, ich habe eine Botschaft!

Ich hoffe natürlich, dass sie euch auch schon aufgefallen ist. Wer nun denkt, sie sei mir einfach so in den Schoss gefallen, ist auf dem Holzweg. Ihr werdet es kaum glauben, aber: Das war Schwerstarbeit. Eine Botschaft? Ich? Kann ich nicht einfach meine Geschichten schreiben, wie sie mir – und hoffentlich auch euch – gefallen? So wie ich zu Schulzeiten Geschichten schrieb. Ohne Leitsatz, ohne weltbewegende Lebensweisheiten, die wir alle schon irgendwo gelesen haben?

Nein, du bist Autorin. Du willst etwas mitteilen. Und nicht nur, dass sich die Zwei gekriegt haben, ein Einfamilienhaus gekauft und drei Kinder gezeugt haben. Eine Botschaft muss her.

Ich habe den Gedanken verdrängt. Ich bin nicht der Dalai Lama. Nicht die Präsidentin eines einst grossartigen Landes. Ich bin auch noch keine Bestseller-Autorin. Aber das hat ja noch Zeit. Und doch hat mir der Gedanke keine Ruhe gelassen. Eine Botschaft wäre schon was. Ein Alleinstellungsmerkmal. Und wenn sie noch von mir selbst wäre, dann wäre es noch besser …

Der Gedanke lässt mich nicht los. Er schlummert irgendwo in mir. Hoffnung erwacht. Eine gewisse Aufbruchstimmung kommt auf. Wenn ich tief in mich gehe, grabe, bis ich bei den Pinguinen rauskomme, dann wird sich doch was finden lassen?

Ich habe gegraben, wie ein Maulwurf. Ich habe einen ersten Wurm erwischt. Das Leben ist Bewegung. Passt gut zu mir, die nicht recht stillsitzen kann. Schon im Kindergarten nicht konnte. Aber Hand aufs Herz: Ist das eine Botschaft? Von mir zu euch, meine ich?

Weitergraben. Eine Schnecke schnappen.  Das Leben ist Veränderung? Das habe ich mehr als einmal am eigenen Leib erfahren. Ich bin jeden Tag älter geworden, zum Beispiel. Oder ich bin von der Stadt aufs Land gezogen. Naja, meine bessere Hälfte würde es hier nicht als Land bezeichnen. Doch, selbst wenn der Ort eine täuschende Ähnlichkeit mit der Stadt aufweist, war das für mein Stadtmensch-Herz eine gehörige Veränderung. Beinahe ein Quantensprung.

Das Leben ist Entwicklung? Ich bin nicht überzeugt.

Dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Was ich brauche, ist einen gemeinsamen Nenner. Nein, nicht der mathematische. Sondern der, der meine Autorinnenwelt im Innersten zusammenhält. Das Streben nach Freiheit. Innen und aussen. Der Weg dahin. Die kleinen Schritte; das tägliche Mini-Training. Wie ein junger Vogel seine Flügel stärkt. Und so entstand meine Botschaft: Die eigenen Flügel entfalten.

Einfacher gesagt, als getan. Meine Protagonistinnen und ich arbeiten daran. Denn unter uns gesagt: Da ist noch Luft nach oben. Für sie und für mich. Und für euch?